Digitalisierung im Öffentlichen Gesundheitsdienst Baden-Württemberg (Digitalisierung ÖGD BW)

Geförderte Projekte auf dem Weg zum digitalen Gesundheitsamt

Projektleitung

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg 
Referat 75
Dr. Bertram Geisel 
Nordbahnhofstraße 135
70191 Stuttgart

Zuschusssumme

54.433.723 €

Projektlaufzeit

01.10.2022 bis 31.03.2026

Motivation

Das Projekt Digitalisierung ÖGD BW verfolgt das Ziel, den Öffentlichen Gesundheitsdienst in Baden-Württemberg umfassend digital zu transformieren und zukunftsfähig aufzustellen. Die Erfahrungen aus der Covid-19-Pandemie haben gezeigt, dass es an standardisierten Informationen, effizienten Schnittstellen und zeitnaher Datenverarbeitung mangelt. Zudem ist der Digitalisierungsstand der Gesundheitsämter sehr unterschiedlich. Mit dem Projekt Digitalisierung ÖGD BW soll unter anderem eine einheitliche Fachanwendungslandschaft geschaffen werden, die auf harmonisierten Prozessen aufbaut, um Arbeitsweisen weiterzuentwickeln und den ÖGD langfristig zu stärken.

Ziele und Vorgehen

Die Umsetzung folgt einem zentralen Projektansatz, der gemeinsam mit den Gesundheitsämtern im Land entwickelt wurde. Auf Basis von ca. 330 Projektideen wurde das Projekt in einem Bottom-Up-Ansatz in verschiedene Handlungsfelder (digitaler Zugang, Infrastruktur, Prozesse, Mitarbeitende, Innovation, digitale Zusammenarbeit sowie Projekt- und Umsetzungsmanagement) gegliedert. 

Kern des Projektes ist die Entwicklung von ÖGDigital – einer modularen, cloudfähigen Fachanwendungslandschaft, die das breite Aufgabenspektrum der Gesundheitsämter abbilden soll. Während der gesamten Entwicklung wurden die Gesundheitsämter von der Konzeption über Funktionstests und Pilotierungen bis hin zum flächendeckenden Rollout intensiv einbezogen. So wurden insgesamt zwölf Module als Webanwendungen konzipiert, unter anderem für die Bereiche Begutachtungswesen, Einschulungsuntersuchung, Zahngesundheit und Prävention. Die Module wurden agil entwickelt, getestet und in mehreren Wellen ausgerollt. Sie sind mandantenfähig, skalierbar und auch offline nutzbar. Ein besonderes Augenmerk der baden-württembergischen Landesmaßnahme liegt auf dem Datenschutz, der Informationssicherheit und einem einheitlichen Betriebsmodell. Parallel dazu entsteht ein Betriebs- und Supportmodell zur dauerhaften Betreuung.

Der Rollout bei den Gesundheitsämtern erfolgt bis Projektende mit Unterstützung eines strukturierten Onboardings sowie abgestimmter Schulungskonzepte und Maßnahmen zur Reifegradsteigerung. Weiterhin werden digitale Informations- und Kollaborationsangebote geschaffen. Dazu gehören zentrale Bürgerinformationen über sogenannte „Gesundheitsamt-Dachseiten“, ein Management digitaler Informationen mit standardisierten Dokumenten, ein Wissensportal mit Informationen rund um den ÖGD sowie ein Befragungstool zur Erfassung von Bevölkerungsbedarfen. Mit einer plattformgestützten Lösung können Kennzahlen und standardisierte Berichte erstellt werden, die eine systematische datenbasierte Steuerung unterstützen sollen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualifizierung der Mitarbeitenden. Mit Schulungskonzepten, E-Learning-Formaten und einem Selbsteinschätzungstool zur „Digitalen Fitness“ werden Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt aufgebaut. 

Perspektiven

Langfristig legt das Projekt die Grundlagen für eine nachhaltige und organisatorisch verankerte digitale Transformation in Baden-Württemberg. Die neue Fachanwendung bietet Möglichkeiten zum Anschluss an bundesweite Schnittstellen – wie etwa zu EMIGA. Dies betrifft auch die geplante digitale Vernetzung mit weiteren relevanten Services im Gesundheitswesen, unter anderem der Telematikinfrastruktur, der elektronischen Patientenakte und dem elektronischen Impfpass.

Durch die Bereitstellung über öffentliche Rechenzentren wie die Komm.ONE in Baden-Württemberg wird ein skalierbares Cloud-Modell etabliert, das in Kooperation mit den jeweiligen Rechenzentren anderer Länder integriert werden kann. Um den Zugang für andere Bundesländer zu erleichtern, ist die Nutzung über die Plattform govdigital vorgesehen. Damit wird eine rechtlich und organisatorisch vereinfachte Beauftragung möglich, die bestehende Hürden für die Mitnutzung reduzieren kann. Dies betrifft auch vorhandene Rahmenverträge für die Rollout- und Schulungsunterstützung. 

ÖGDigital ist so konzipiert, dass nicht nur eine spätere Nachnutzung, sondern auch eine aktive Mitnutzung durch andere Bundesländer möglich ist. So können sich weitere Länder in den Entwicklungs- und Steuerungsprozess einbringen. Eine Kooperation mit dem Freistaat Bayern wurde auf einer gemeinsamen, länderübergreifenden Klausurtagung in Ulm am 2. Oktober 2025 von den Projektverantwortlichen vorgestellt. 

Die Weiterentwicklung und Optimierung von ÖGDigital über den Projektzeitraum hinaus erfolgt durch das Land Baden-Württemberg zusammen mit den Kooperationsländern.


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